DIN EN 50600: Normenreihe für Planung, Bau und Betrieb von Rechenzentren


Die Verfügbarkeit eines Rechenzentrums hängt nicht allein von Servern, Speichersystemen und Netzwerkkomponenten ab. Ebenso entscheidend sind das Gebäude, die Stromversorgung, die Kühlung, die Verkabelung, die physische Sicherung sowie die Prozesse für Betrieb und Instandhaltung. Mit der Normenreihe DIN EN 50600 steht für diese Bereiche ein europäischer Rahmen zur Verfügung.

Die Normenfamilie richtet sich an Planer, Betreiber, Bauherren und weitere Beteiligte, die Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren konzipieren, errichten oder betreiben. Sie behandelt unter anderem Verfügbarkeit, physische Sicherung und die Voraussetzungen für einen energieeffizienten Betrieb. Darüber hinaus enthält sie Leistungskennzahlen, mit denen der Energie- und Ressourcenverbrauch eines Rechenzentrums bewertet werden kann.

Bei DIN EN 50600 handelt es sich nicht um eine einzelne Norm. Die Reihe besteht aus mehreren Teilen, die unterschiedliche Bereiche der technischen und organisatorischen Infrastruktur behandeln. Sie reicht von allgemeinen Planungsgrundsätzen über Gebäude, Stromversorgung und Kühlung bis zu Betrieb, Management und Kennzahlen wie PUE, ERF oder WUE. DIN EN 50600-1 beschreibt die Auslegung, Planung, Beschaffung, Integration, Installation, den Betrieb und die Instandhaltung von Einrichtungen und Infrastrukturen innerhalb von Rechenzentren.

Was ist die DIN EN 50600?

Die DIN EN 50600 ist die deutsche Übernahme der europäischen Normenreihe EN 50600 „Informationstechnik – Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren“. Sie schafft einen einheitlichen technischen Rahmen für die Infrastruktur von Datacentern.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht die einzelne technische Komponente. Für USV-Anlagen, elektrische Installationen, Brandmeldeanlagen oder Telekommunikationsverkabelungen existieren jeweils weitere Fachnormen. DIN EN 50600 betrachtet dagegen das Zusammenspiel dieser Systeme innerhalb eines Rechenzentrums.

Teil 1 der Reihe definiert die allgemeinen Konzepte. Dazu gehören unter anderem die Bewertung von Geschäftsrisiken, die geplante Verfügbarkeit, die physische Sicherung, die Befähigung zur Energieeffizienz und grundlegende Planungsprozesse. Die technischen Anforderungen eines Datacenters sollen damit aus dem tatsächlichen Schutz- und Verfügbarkeitsbedarf abgeleitet werden.

Die Normenreihe beschränkt sich nicht auf große Colocation- oder Hyperscale-Anlagen. Die zugrunde liegenden Prinzipien lassen sich grundsätzlich auf Rechenzentren unterschiedlicher Größe und Nutzung anwenden. Welche Anforderungen tatsächlich erforderlich sind, hängt von der Bedeutung der IT-Systeme, den bestehenden Risiken und den angestrebten Verfügbarkeitszielen ab.

Das bedeutet nicht, dass jeder kleine Serverraum sämtliche Anforderungen einer hochverfügbaren Rechenzentrumsinfrastruktur erfüllen muss. Ein wesentlicher Grundgedanke der DIN EN 50600 besteht vielmehr darin, die technische Auslegung aus dem tatsächlichen Risiko und dem vorgesehenen Betriebsmodell abzuleiten.

Für wen ist die DIN EN 50600 relevant?

Die Normenreihe richtet sich an unterschiedliche Beteiligte entlang des gesamten Lebenszyklus eines Rechenzentrums. Dazu gehören Betreiber eigener Unternehmensrechenzentren ebenso wie Colocation-Anbieter, Planungsbüros, Architekten, Fachplaner, Bauherren, technische Dienstleister und Unternehmen, die Rechenzentrumsleistungen einkaufen.

Für Betreiber liegt der Schwerpunkt unter anderem auf der nachvollziehbaren Festlegung von Anforderungen. So kann bereits vor dem Bau bestimmt werden, welches Niveau bei Stromversorgung, Kühlung, Verkabelung und physischer Sicherung tatsächlich benötigt wird.

Für Kunden eines Rechenzentrums kann eine Planung oder Prüfung nach EN 50600 wiederum dazu dienen, technische Eigenschaften einer Anlage nachvollziehbarer zu bewerten. Dabei ist zwischen der Anwendung der Norm und einer Zertifizierung durch eine unabhängige Prüforganisation zu unterscheiden.

Ist die DIN EN 50600 gesetzlich verpflichtend?

DIN-Normen sind grundsätzlich freiwillig. Sie sind keine Gesetze und werden allein durch ihre Veröffentlichung nicht automatisch verbindlich. Eine Norm kann jedoch verbindliche Wirkung erlangen, wenn der Gesetzgeber auf sie verweist oder wenn ihre Anwendung vertraglich vereinbart wird.

Für ein Rechenzentrumsprojekt kann die DIN EN 50600 beispielsweise Bestandteil einer Ausschreibung, einer Leistungsbeschreibung oder eines Vertrages zwischen Betreiber, Planer und Auftragnehmer werden. In diesem Fall können konkrete Teile, Verfügbarkeitsklassen oder andere Anforderungen vertraglich festgelegt werden.

Auch ohne eine solche Vereinbarung können technische Normen bei der Bewertung von Planungs- und Ausführungsleistungen eine Rolle spielen. Ob und in welchem Umfang DIN EN 50600 in einem konkreten Projekt anzuwenden ist, muss jedoch anhand der rechtlichen, technischen und vertraglichen Rahmenbedingungen beurteilt werden.

Wie ist die Normenreihe DIN EN 50600 aufgebaut?

Die Reihe folgt einer funktionalen Gliederung. DIN EN 50600-1 enthält die allgemeinen Konzepte. Die Teile 2-x behandeln die wesentlichen Einrichtungen und Infrastrukturen, Teil 3-1 beschäftigt sich mit Management und Betrieb. Die Reihe 4-x definiert Leistungskennzahlen für Energie- und Ressourceneffizienz.

Damit können sowohl die bauliche und technische Auslegung als auch der spätere Betrieb eines Rechenzentrums innerhalb eines zusammenhängenden Normenrahmens betrachtet werden.

DIN EN 50600-1 – Allgemeine Konzepte

DIN EN 50600-1 bildet die Grundlage der gesamten Reihe. Sie beschreibt gemeinsame Begriffe, Referenzmodelle, Klassifikationen und Planungsgrundsätze. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Anforderungen an Verfügbarkeit, physische Sicherung und Energieeffizienz.

Die Planung soll nicht mit einer vorgegebenen technischen Lösung beginnen. Ausgangspunkt ist vielmehr die Analyse der Anforderungen und Risiken. Erst daraus wird abgeleitet, welche Eigenschaften die technischen Systeme aufweisen müssen.

Das betrifft beispielsweise die Frage, ob für die Stromversorgung ein einzelner Versorgungspfad genügt oder mehrere voneinander unabhängige Pfade erforderlich sind. Vergleichbare Überlegungen gelten für Kühlung und Telekommunikationsverkabelung.

DIN EN 50600-2-1 – Gebäudekonstruktion

DIN EN 50600-2-1 behandelt die baulichen Voraussetzungen eines Rechenzentrums. Dazu gehören unter anderem Anforderungen und Empfehlungen zur Standortwahl, zum Schutz vor umgebungsbedingten Risiken, zur Standort- und Gebäudekonfiguration, zu Zugangsmöglichkeiten, Einbruchschutz, physischem Brandschutz und Schutz vor Wasserschäden.

Damit beginnt die Sicherung eines Datacenters bereits vor der eigentlichen technischen Gebäudeausrüstung. Ein ungünstig gewählter Standort lässt sich durch spätere technische Maßnahmen nur begrenzt kompensieren.

Bei der Standortanalyse können beispielsweise Risiken aus der Umgebung, Zugangswege oder mögliche Naturereignisse berücksichtigt werden. Innerhalb des Gebäudes spielen die Anordnung unterschiedlicher Funktionsbereiche sowie deren bauliche Trennung eine Rolle.

Auch die Erweiterbarkeit eines Rechenzentrums sollte bereits in der Planung berücksichtigt werden. Zusätzliche IT-Leistung führt regelmäßig zu höheren Anforderungen an Stromversorgung, Kühlung und technische Flächen. Werden entsprechende Reserven nicht eingeplant, können spätere Erweiterungen erhebliche Umbauten erforderlich machen.

DIN EN 50600-2-2 – Stromversorgung und Stromverteilung

Die elektrische Infrastruktur gehört zu den zentralen Bereichen eines Rechenzentrums. DIN EN 50600-2-2 behandelt Stromversorgung und Stromverteilung.

Zu einer Rechenzentrumsstromversorgung können je nach Anlagenkonzept Netzanschlüsse, Transformatoren, Mittel- und Niederspannungsschaltanlagen, unterbrechungsfreie Stromversorgungen, Netzersatzanlagen und die Energieverteilung bis zu den IT-Systemen gehören.

Welche Redundanzen erforderlich sind, hängt von der angestrebten Verfügbarkeit ab. Ein Rechenzentrum mit vergleichsweise geringen Verfügbarkeitsanforderungen benötigt eine andere Infrastruktur als eine Anlage, bei der Wartungsarbeiten oder einzelne technische Fehler möglichst nicht zur Unterbrechung des IT-Betriebs führen sollen.

Eine besondere Rolle spielt die unterbrechungsfreie Stromversorgung. USV-Anlagen überbrücken Störungen beziehungsweise Unterbrechungen der regulären Versorgung und stellen die Energieversorgung der angeschlossenen Lasten zumindest für einen begrenzten Zeitraum sicher. Bei längeren Netzausfällen übernehmen in vielen Rechenzentren Netzersatzanlagen die Versorgung.

Dabei genügt es für hohe Verfügbarkeitsanforderungen nicht, ausschließlich einzelne Komponenten mehrfach vorzuhalten. Entscheidend ist die Betrachtung des vollständigen Versorgungssystems einschließlich Verteilungen, Schaltanlagen, Versorgungspfaden, Steuerungen und möglicher gemeinsamer Fehlerquellen.

Welche Rolle spielen USV und Notstromversorgung?

USV-Anlagen und Netzersatzaggregate sind zwei unterschiedliche Bestandteile eines Versorgungskonzepts.

Eine USV reagiert auf Störungen innerhalb sehr kurzer Zeit. Sie stabilisiert die Versorgung der angeschlossenen Verbraucher beziehungsweise überbrückt einen Ausfall des Netzes. Ein Notstromaggregat benötigt dagegen Zeit zum Starten und Hochfahren. Die USV kann diesen Zeitraum überbrücken, bis die Netzersatzversorgung zur Verfügung steht.

Für die Verfügbarkeit ist daher nicht allein die Anzahl der USV-Module oder Generatoren maßgeblich. Zu berücksichtigen sind auch die elektrische Verteilung, mögliche gemeinsame Versorgungspunkte, Umschalteinrichtungen, Batteriesysteme, Kraftstoffversorgung, Steuerung sowie die Möglichkeiten zur Wartung.

Ein redundanter Generatorbestand nützt beispielsweise nur eingeschränkt, wenn sämtliche Aggregate von einer gemeinsamen Komponente abhängen, deren Ausfall die gesamte Ersatzstromversorgung außer Betrieb setzen kann.

Die Normenreihe verfolgt deshalb einen systemischen Ansatz. Redundanz wird nicht ausschließlich auf Ebene einzelner Geräte betrachtet, sondern in Verbindung mit den erforderlichen Versorgungspfaden und dem vorgesehenen Betrieb.

DIN EN 50600-2-3 – Regelung der Umgebungsbedingungen

DIN EN 50600-2-3 trägt die Bezeichnung „Regelung der Umgebungsbedingungen“. Der Normteil geht damit über den umgangssprachlichen Begriff der Klimatisierung hinaus. Er behandelt unter anderem Temperatur, Flüssigkeitsströme, Luftfeuchtigkeit, Schwebteilchen, Schwingungen, die Anordnung von Geräten und Maßnahmen zur Energieeinsparung.

Die Kühlung ist für den zuverlässigen Rechenzentrumsbetrieb von besonderer Bedeutung. Server und andere IT-Komponenten wandeln einen großen Teil der aufgenommenen elektrischen Energie in Wärme um. Diese Wärme muss kontrolliert abgeführt werden.

Wie das geschieht, hängt vom jeweiligen Rechenzentrum ab. Möglich sind unter anderem luftbasierte Systeme, Kalt- und Warmgangkonzepte, freie Kühlung, wasserbasierte Systeme oder zunehmend auch Lösungen zur direkten Flüssigkeitskühlung leistungsstarker IT-Komponenten.

Für die DIN EN 50600 ist dabei nicht eine bestimmte Kühltechnologie vorgeschrieben. Entscheidend ist, ob das geplante System die erforderlichen Umgebungsbedingungen, die gewählte Verfügbarkeit und die entsprechenden Überwachungsfunktionen bereitstellen kann.

Mit steigenden Leistungsdichten gewinnt dieser Bereich zusätzlich an Bedeutung. Dies gilt insbesondere für Serverplattformen, bei denen eine zunehmende Wärmelast auf vergleichsweise kleiner Fläche abgeführt werden muss.

DIN EN 50600-2-4 – Infrastruktur der Telekommunikationsverkabelung

Die Telekommunikationsverkabelung wird in DIN EN 50600-2-4 behandelt. Der Normteil betrachtet nicht nur die eigentliche IT-Verkabelung. Er umfasst auch Verkabelungsinfrastrukturen zur Unterstützung des Rechenzentrumsbetriebs, zur Überwachung und Regelung der Stromverteilung, der Umgebungsbedingungen und der physischen Sicherung sowie Kabelwege und zugehörige Bereiche.

Auch in diesem Bereich wird die gewünschte Auslegung anhand einer Risikoanalyse und der benötigten Verfügbarkeit bestimmt. Bei höheren Klassen gewinnen mehrere Verkabelungspfade und deren physische Trennung an Bedeutung.

DIN EN 50600-2-5 – Sicherungssysteme

DIN EN 50600-2-5 behandelt die physische Sicherung von Rechenzentren. Dazu gehören der Schutz vor unbefugtem Zugang, Einbruch, Bränden sowie internen und externen umgebungsbedingten Ereignissen.

Dieser Bereich ist von der Cybersicherheit abzugrenzen. Die Norm behandelt Sicherungssysteme und die physische Absicherung von Rechenzentrumsbereichen. Maßnahmen zum Schutz von IT-Systemen vor Schadsoftware, Netzwerkangriffen oder kompromittierten Benutzerkonten sind nicht der eigentliche Gegenstand dieses Normteils.

Die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen sollen auf einer Risikoanalyse basieren. Dazu können je nach Schutzbedarf beispielsweise abgestufte Zutrittsbereiche, Zugangskontrollen, Einbruchmeldeeinrichtungen und weitere physische Sicherungsmaßnahmen gehören.

Verfügbarkeitsklassen nach DIN EN 50600

Ein wesentlicher Bestandteil der Normenreihe sind vier Verfügbarkeitsklassen. Sie beschreiben unterschiedliche Auslegungsprinzipien für die Infrastruktur.

Dabei ist wichtig, dass die Klassen nicht einfach durch feste Prozentwerte für die jährliche Verfügbarkeit definiert werden. Stattdessen basieren sie auf konstruktiven Prinzipien wie Redundanz, Mehrpfadigkeit, Wartbarkeit und Fehlertoleranz.

Verfügbarkeitsklasse 1

Verfügbarkeitsklasse 1 steht für eine vergleichsweise geringe Infrastrukturverfügbarkeit. Bei der Stromversorgung kann ein einzelner Versorgungspfad ohne redundante Komponenten vorgesehen sein.

Wartungsarbeiten oder technische Störungen können deshalb eine Unterbrechung des Betriebs erforderlich machen. Eine solche Auslegung kann ausreichend sein, wenn die angeschlossenen IT-Dienste eine entsprechende Unterbrechung tolerieren oder auf anderer Ebene abgesichert sind.

Verfügbarkeitsklasse 2

Verfügbarkeitsklasse 2 erhöht die Ausfallsicherheit durch zusätzliche beziehungsweise teilweise redundante Komponenten. Die Infrastruktur basiert jedoch weiterhin wesentlich auf einzelnen Versorgungspfaden.

Dadurch lassen sich bestimmte Komponenten ausfallgeschützter gestalten, ohne bereits eine konsequente Mehrpfadstruktur umzusetzen.

Verfügbarkeitsklasse 3

Verfügbarkeitsklasse 3 steht für hohe Verfügbarkeit. Bei der Energieversorgung werden redundante Komponenten mit mehreren Versorgungspfaden kombiniert. Das Konzept soll insbesondere Wartungsarbeiten ermöglichen, ohne dafür den regulären Betrieb vollständig unterbrechen zu müssen.

Dies stellt höhere Anforderungen an Planung und räumliche beziehungsweise funktionale Trennung der Infrastruktur. Gemeinsame Fehlerpunkte müssen systematisch untersucht werden.

Verfügbarkeitsklasse 4

Verfügbarkeitsklasse 4 beschreibt die höchste Verfügbarkeitsstufe innerhalb der EN 50600. Sie basiert auf mehreren Versorgungspfaden und weitergehender Systemredundanz. Die Infrastruktur ist auf sehr hohe Verfügbarkeit und Fehlertoleranz ausgerichtet.

Eine höhere Klasse bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie für jedes Rechenzentrum die wirtschaftlich oder technisch sinnvollste Lösung darstellt. Zusätzliche Redundanzen erhöhen Investitionen, Flächenbedarf, Wartungsaufwand und häufig auch den Energiebedarf der technischen Infrastruktur.

Die erforderliche Klasse sollte deshalb aus den Geschäfts- und Betriebsrisiken abgeleitet werden und nicht allein als möglichst hohe Zielgröße verstanden werden.

Schutzklassen und physische Sicherheit

Neben der Verfügbarkeit betrachtet die Normenreihe den physischen Schutz eines Rechenzentrums. Die Anforderungen an Sicherungssysteme ergeben sich aus einer Bewertung der vorhandenen Gefährdungen.

Zu den betrachteten Risiken gehören unbefugter Zugang und Einbruch ebenso wie Brände und umgebungsbedingte Ereignisse innerhalb oder außerhalb der Rechenzentrumsbereiche.

Dabei sind bauliche und technische Sicherung nicht getrennt voneinander zu betrachten. Eine Zutrittskontrolle kann beispielsweise nur dann wirksam sein, wenn auch die bauliche Hülle und die Trennung der Sicherheitsbereiche das vorgesehene Schutzniveau unterstützen.

DIN EN 50600-3-1 – Management und Betrieb

Ein technisch redundant aufgebautes Rechenzentrum erreicht seine geplante Verfügbarkeit nicht automatisch. Fehler bei Wartung, Änderungen oder Bedienung können die Wirksamkeit technischer Redundanzen beeinträchtigen. Deshalb betrachtet die Normenreihe auch organisatorische und betriebliche Prozesse.

DIN EN 50600-3-1 behandelt Informationen für Management und Betrieb. Die derzeit veröffentlichte deutsche Norm ist DIN EN 50600-3-1:2016-08. Ihr Schwerpunkt liegt unter anderem auf betrieblichen Prozessen zur Sicherstellung von Ausfallsicherheit, Verfügbarkeit, Sicherung und Energieeffizienz sowie auf Managementprozessen und dem Übergang von Planung und Bau in den Betrieb.

Inzwischen befindet sich eine umfassend überarbeitete Ausgabe im Normungsverfahren. Der Entwurf E DIN EN 50600-3-1:2025-09 erweitert unter anderem die Bereiche Rechenzentrumsstrategie, Organisation, Rechenzentrumsmanagement, Risikomanagement und Qualitätsmanagement.

Da es sich bei der Fassung von 2025 um einen Entwurf handelt, darf sie nicht ohne Weiteres als bereits veröffentlichte Nachfolgenorm der Ausgabe von 2016 bezeichnet werden. Bei Projekten sollte deshalb geprüft werden, welche Fassung vertraglich oder technisch zugrunde gelegt wird.

Betrieb und Wartung als Bestandteil der Verfügbarkeit

Der Betrieb eines Datacenters umfasst weit mehr als die Reaktion auf Störungen. Technische Anlagen müssen regelmäßig geprüft, gewartet und bei Bedarf ersetzt werden. Gleichzeitig darf die Wartung bei hochverfügbaren Systemen nicht unbeabsichtigt vorhandene Redundanzen außer Kraft setzen.

Dafür sind dokumentierte Betriebsprozesse erforderlich. Änderungen an elektrischen Anlagen, Kühlung oder Verkabelung müssen kontrolliert durchgeführt werden. Ebenso relevant sind Zuständigkeiten, Eskalationswege und die Dokumentation des tatsächlichen Anlagenzustands.

Eine Anlage kann beispielsweise ursprünglich mit redundanten Versorgungspfaden geplant worden sein. Werden im Betrieb jedoch Umbauten vorgenommen, ohne die Auswirkungen auf das Gesamtsystem zu bewerten, können unerkannte gemeinsame Fehlerpunkte entstehen.

Die Normenreihe verbindet deshalb die technische Auslegung mit dem späteren Management der Infrastruktur.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in der DIN EN 50600

Neben Verfügbarkeit und Sicherung ist die Energieeffizienz ein wesentlicher Bestandteil der Reihe. Die Energieeffizienz eines Rechenzentrums lässt sich allerdings nicht mit einer einzigen Zahl vollständig beschreiben.

Ein niedriger Energieverbrauch der Kühlung sagt beispielsweise nichts darüber aus, ob der verwendete Strom aus erneuerbaren Quellen stammt oder ob Abwärme weitergenutzt wird.

Aus diesem Grund umfasst die Normenfamilie mehrere Kennzahlen. Sie betrachten unterschiedliche Aspekte der Energie- und Ressourcennutzung.

DIN EN 50600-4-1 – Allgemeine Anforderungen an Leistungskennzahlen

DIN EN 50600-4-1 gibt einen Überblick über Leistungskennzahlen und die allgemeinen Anforderungen an deren Anwendung. Die nachfolgenden Teile definieren einzelne Kennzahlen genauer. Dadurch sollen Messung, Berechnung und Berichterstattung nach nachvollziehbaren Kriterien erfolgen.

Power Usage Effectiveness – PUE

Eine der bekanntesten Kennzahlen ist die Power Usage Effectiveness, kurz PUE. Sie wird in DIN EN 50600-4-2 behandelt.

Der PUE setzt den gesamten Energieverbrauch des Rechenzentrums ins Verhältnis zum Energieverbrauch der IT. Je größer der zusätzliche Energiebedarf für Kühlung, Stromwandlung und andere Infrastruktur ist, desto höher fällt der Wert aus.

Ein PUE-Wert darf allerdings nicht losgelöst vom jeweiligen Rechenzentrum interpretiert werden. Standortklima, Auslastung, Verfügbarkeitsanforderungen und technische Architektur können den Wert erheblich beeinflussen.

Ein Rechenzentrum mit umfangreichen redundanten Systemen kann beispielsweise mehr Infrastrukturenergie benötigen als eine weniger redundant ausgelegte Anlage. Ein unmittelbarer Vergleich allein anhand des PUE kann deshalb zu falschen Schlussfolgerungen führen.

Anteil erneuerbarer Energien – REF

DIN EN 50600-4-3 behandelt den Anteil erneuerbarer Energien. Die Kennzahl wird international als Renewable Energy Factor, kurz REF, bezeichnet.

Der REF betrachtet damit einen anderen Aspekt als der PUE. Während der PUE das Verhältnis des Energieeinsatzes innerhalb eines Rechenzentrums bewertet, geht es beim REF um den Anteil erneuerbarer Energie am Energieverbrauch.

Ein Rechenzentrum kann deshalb einen günstigen PUE und gleichzeitig einen niedrigen Anteil erneuerbarer Energie aufweisen – oder umgekehrt.

Energy Reuse Factor – ERF

DIN EN 50600-4-6 legt den Faktor der Energiewiederverwendung, den Energy Reuse Factor, fest. Der ERF setzt die wiederverwendete Energie ins Verhältnis zur gesamten im Rechenzentrum verbrauchten Energie.

Praktisch ist dies insbesondere für die Nutzung von Abwärme relevant. Die von Servern erzeugte Wärme kann unter geeigneten technischen und örtlichen Voraussetzungen beispielsweise für Gebäude oder Wärmenetze nutzbar gemacht werden.

Wie gut eine solche Nutzung funktioniert, hängt jedoch nicht allein vom Rechenzentrum ab. Entscheidend sind unter anderem Temperaturniveau, Entfernung zu potenziellen Wärmeabnehmern, zeitlicher Verlauf der Nachfrage und die dafür notwendige technische Infrastruktur.

Cooling Efficiency Ratio – CER

Mit DIN EN 50600-4-7 existiert eine eigene Leistungskennzahl für die Effizienz der Kühlung. Der Cooling Efficiency Ratio, kurz CER, soll die effiziente Verwendung von Energie zur Regelung der Temperatur in Rechenzentrumsbereichen quantifizieren.

Die Kennzahl ermöglicht eine detailliertere Betrachtung der Kühlungsinfrastruktur als der PUE, bei dem sämtliche nicht zur IT gehörenden Energieverbräuche gemeinsam in das Gesamtergebnis einfließen.

Gerade bei steigenden Leistungsdichten gewinnt eine getrennte Bewertung der Kühlung an Bedeutung. Änderungen an Luftführung, Temperaturniveaus oder Kälteerzeugung können dadurch gezielter bewertet werden.

Carbon Usage Effectiveness – CUE

DIN EN 50600-4-8 behandelt die Carbon Usage Effectiveness, kurz CUE. Die Kennzahl dient dazu, die einem Rechenzentrum zuzuordnenden CO₂-Emissionen während seiner Nutzungsphase zu quantifizieren.

Damit wird deutlich, weshalb Energieeffizienz und CO₂-Bilanz nicht gleichgesetzt werden sollten. Zwei Datacenter können vergleichbare Energieverbräuche aufweisen, aber aufgrund unterschiedlicher Energiequellen deutlich voneinander abweichende Emissionen verursachen.

Water Usage Effectiveness – WUE

Auch der Wasserverbrauch wird innerhalb der Normenreihe berücksichtigt. DIN EN 50600-4-9 definiert die Water Usage Effectiveness, kurz WUE.

Die Kennzahl erfasst die Wasserverwendung eines Rechenzentrums während seiner Nutzungsphase. Ihre Bedeutung hängt stark vom Kühlsystem und vom jeweiligen Standort ab.

Verdunstungsbasierte Kühlung kann beispielsweise elektrische Energie einsparen, gleichzeitig aber einen höheren Wasserverbrauch verursachen. Eine ganzheitliche Betrachtung muss deshalb mögliche Zielkonflikte zwischen Energie- und Wasserverbrauch berücksichtigen.

DIN EN 50600 bei der Planung neuer Rechenzentren

Bei Neubauten sollte die angestrebte Auslegung möglichst früh festgelegt werden. Wird beispielsweise erst nach Abschluss der Gebäudeplanung entschieden, dass mehrere räumlich getrennte Versorgungspfade benötigt werden, kann dies erhebliche Änderungen notwendig machen.

Am Anfang steht deshalb die Ermittlung der geschäftlichen und technischen Anforderungen. Welche IT-Dienste sollen betrieben werden? Welche Unterbrechungen sind akzeptabel? Welche äußeren und inneren Gefährdungen bestehen? Welche Erweiterungen sind absehbar?

Daraus lassen sich die Anforderungen an Gebäude, Energieversorgung, Kühlung, Verkabelung und physische Sicherung ableiten.

Ebenso sollten Betriebs- und Wartungskonzepte frühzeitig berücksichtigt werden. Eine redundante Anlage muss so aufgebaut sein, dass die vorgesehenen Redundanzen während Wartung und Reparatur tatsächlich genutzt werden können.

DIN EN 50600 bei bestehenden Rechenzentren

Auch bestehende Rechenzentren können anhand der Normenreihe untersucht werden. Eine solche Bewertung beginnt üblicherweise mit einer Bestandsaufnahme der vorhandenen Infrastruktur und Prozesse.

Dabei können Abweichungen zwischen dem gewünschten Schutzniveau beziehungsweise der gewünschten Verfügbarkeit und der tatsächlichen Ausführung sichtbar werden.

Nicht jede Lücke lässt sich wirtschaftlich nachträglich schließen. Insbesondere fehlende räumliche Trennungen, begrenzte technische Flächen oder ungünstige Gebäudestrukturen können eine vollständige Anpassung erschweren.

Dennoch können einzelne Maßnahmen sinnvoll sein. Dazu gehören etwa zusätzliche Messpunkte, Verbesserungen der Dokumentation, organisatorische Änderungen oder die Beseitigung einzelner gemeinsamer Fehlerquellen.

Für bestehende Anlagen ist deshalb eine schrittweise Bewertung häufig zweckmäßiger als die Annahme, das komplette Rechenzentrum müsse unmittelbar auf eine bestimmte Klasse umgebaut werden.

Welche Rolle spielt das Monitoring?

Rechenzentren müssen ihren technischen Zustand kontinuierlich überwachen können. Ohne Messwerte lässt sich weder zuverlässig feststellen, ob Betriebsparameter eingehalten werden, noch können Energiekennzahlen nachvollziehbar berechnet werden.

Überwacht werden können unter anderem elektrische Lasten, USV-Systeme, Generatoren, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Kühlanlagen, Leckageerkennung, Zutrittssysteme und weitere technische Einrichtungen.

Für die Energieeffizienz ist insbesondere die Positionierung der Messpunkte relevant. Nur wenn Gesamtenergieverbrauch und IT-Verbrauch hinreichend genau erfasst werden, lässt sich beispielsweise ein belastbarer PUE bestimmen.

Monitoring unterstützt darüber hinaus die Kapazitätsplanung. Steigende Rack-Leistungsdichten können frühzeitig erkennen lassen, dass einzelne Strom- oder Kühlstränge ihre geplanten Reserven erreichen.

DCIM-, Gebäudeleit- und Energiemanagementsysteme können diese Informationen bündeln. Die konkrete technische Lösung hängt jedoch vom Anlagenkonzept und vom erforderlichen Detaillierungsgrad ab.

Zertifizierung nach EN 50600

Die Anwendung einer Norm und eine Zertifizierung sind zwei unterschiedliche Sachverhalte. Ein Betreiber kann Anforderungen aus EN 50600 bei Planung und Betrieb berücksichtigen, ohne dass damit automatisch ein Zertifikat verbunden ist.

Für einen unabhängigen Nachweis bieten verschiedene Prüfstellen Zertifizierungsverfahren an. Je nach Verfahren werden unter anderem Planungsunterlagen, die gebaute Infrastruktur, technische Systeme und betriebliche Prozesse geprüft.

Der genaue Umfang eines Zertifikats ist deshalb zu beachten. Entscheidend ist, welche Normteile, Bereiche des Rechenzentrums, Klassen und Prüfgrundlagen tatsächlich Bestandteil der Bewertung waren.

Ein Zertifikat bedeutet zudem nicht, dass ein Rechenzentrum nicht ausfallen kann. Es dokumentiert vielmehr, dass definierte Anforderungen zum Zeitpunkt beziehungsweise innerhalb des Umfangs der Prüfung erfüllt wurden.

Welche Vorteile bietet die Anwendung der DIN EN 50600?

Der wesentliche Nutzen der Normenreihe liegt in einer systematischen und nachvollziehbaren Betrachtung der Rechenzentrumsinfrastruktur.

Statt einzelne Komponenten isoliert auszuwählen, können Anforderungen an Verfügbarkeit, physische Sicherung und Energieeffizienz aus den tatsächlichen Risiken und Betriebsanforderungen abgeleitet werden.

Dies erleichtert auch die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Fachdisziplinen. Gebäudeplanung, Elektrotechnik, Kühlung, Verkabelung und Betrieb müssen bei einem Rechenzentrum eng aufeinander abgestimmt werden.

Bei Ausschreibungen können klar definierte Anforderungen außerdem helfen, Angebote und technische Konzepte besser vergleichbar zu machen.

Die Anwendung der Norm garantiert jedoch weder einen störungsfreien Betrieb noch automatisch niedrigere Betriebskosten. Hohe Redundanz verursacht zusätzliche Investitionen und kann auch den Energiebedarf erhöhen. Entscheidend ist deshalb eine zur tatsächlichen Nutzung passende Auslegung.

DIN EN 50600 und ISO/IEC 22237

Die europäische Normenreihe wurde inzwischen auf internationaler Ebene weitergeführt. Wesentliche Inhalte der EN 50600 wurden in die Reihe ISO/IEC 22237 „Data centre facilities and infrastructures“ übernommen.

Die Nummerierung ist dabei nicht identisch. Beispielsweise entspricht EN 50600-2-2 zur Stromversorgung und Stromverteilung thematisch ISO/IEC 22237-3, während EN 50600-2-3 in ISO/IEC 22237-4 wiederzufinden ist.

Die Leistungskennzahlen der EN-50600-4-x-Reihe stehen außerdem in engem Zusammenhang mit der internationalen ISO/IEC-30134-Reihe.

Für international tätige Betreiber und Planer ist daher zu prüfen, welche Normenreihe beziehungsweise welche Ausgabe für ein konkretes Projekt gefordert wird.

DIN EN 50600 und ISO/IEC 27001

DIN EN 50600 und ISO/IEC 27001 behandeln unterschiedliche Schwerpunkte.

DIN EN 50600 konzentriert sich auf Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren. Dazu zählen Gebäude, Energieversorgung, Umgebungsbedingungen, Verkabelung, physische Sicherung sowie Management und Betrieb der technischen Infrastruktur.

ISO/IEC 27001 betrifft dagegen Informationssicherheitsmanagement. Sie behandelt organisatorische und technische Prozesse zum Schutz von Informationen.

Beide Themen können sich überschneiden, etwa bei Zutrittskontrollen oder Risikomanagement. Die Anwendung einer der beiden Normen ersetzt die andere jedoch nicht.

Insbesondere sollte die physische Sicherung nach DIN EN 50600-2-5 nicht pauschal als Cybersicherheit bezeichnet werden.

DIN EN 50600 und ISO 50001

Auch ISO 50001 verfolgt einen anderen Ansatz. Die Norm beschreibt Anforderungen an ein Energiemanagementsystem einer Organisation.

Die EN-50600-Reihe enthält dagegen rechenzentrumsspezifische technische Anforderungen und Kennzahlen. PUE, CER oder WUE können beispielsweise konkrete Informationen zur Ressourcennutzung eines Datacenters liefern.

Ein Energiemanagementsystem und die Kennzahlen der DIN EN 50600 können sich deshalb ergänzen, sind aber nicht gleichzusetzen.

DIN EN 50600 und die Tier-Klassifizierung des Uptime Institute

In der Rechenzentrumsbranche werden neben den Verfügbarkeitsklassen der EN 50600 häufig die Tier-Stufen des Uptime Institute verwendet.

Das Uptime Institute unterscheidet Tier I „Basic Capacity“, Tier II „Redundant Capacity Components“, Tier III „Concurrently Maintainable“ und Tier IV „Fault Tolerant“.

Auf den ersten Blick bestehen Parallelen zu den vier Verfügbarkeitsklassen der EN 50600. Beide Modelle beschreiben mit steigender Stufe höhere Anforderungen an die Ausfallsicherheit.

Eine direkte Gleichsetzung ist jedoch nicht zulässig. Die Klassifikationen stammen aus unterschiedlichen Regelwerken, verwenden eigene Kriterien und haben unterschiedliche Prüf- und Zertifizierungsverfahren.

Ein Rechenzentrum sollte deshalb nicht allein aufgrund einer EN-50600-Verfügbarkeitsklasse automatisch mit einer bestimmten Uptime-Tier-Stufe bezeichnet werden – oder umgekehrt.

Häufige Missverständnisse zur DIN EN 50600

Ist DIN EN 50600 eine einzelne Norm?

Nein. DIN EN 50600 ist eine Normenreihe mit verschiedenen Teilen. Diese behandeln unter anderem allgemeine Konzepte, Gebäudekonstruktion, Stromversorgung, Umgebungsbedingungen, Telekommunikationsverkabelung, Sicherungssysteme, Management und Betrieb sowie Leistungskennzahlen.

Regelt DIN EN 50600 die Cybersicherheit?

Nicht im Sinne eines umfassenden Informationssicherheits- oder Cybersecurity-Standards. DIN EN 50600-2-5 behandelt die physische Sicherung des Rechenzentrums. Dazu gehören beispielsweise der Schutz vor unbefugtem Zugang, Einbruch und bestimmten internen und externen Ereignissen.

Für Informationssicherheitsmanagement sind andere Normen wie ISO/IEC 27001 relevant.

Bedeutet Verfügbarkeitsklasse 4 eine Verfügbarkeit von 99,999 Prozent?

Nein. Die EN 50600 ordnet ihren vier Verfügbarkeitsklassen keine festen Prozentwerte für die jährliche Verfügbarkeit zu. Die Klassen basieren stattdessen auf konstruktiven Prinzipien wie Komponentenredundanz und mehreren Versorgungspfaden.

Ist die höchste Verfügbarkeitsklasse immer die beste Lösung?

Nicht zwangsläufig. Die erforderliche Verfügbarkeit sollte aus den Geschäftsrisiken und den Anforderungen der betriebenen IT-Dienste abgeleitet werden.

Eine höhere Klasse benötigt zusätzliche technische Systeme und Versorgungspfade. Das kann Kosten, Flächenbedarf, Komplexität und Energieverbrauch erhöhen.

Garantiert eine Zertifizierung, dass ein Rechenzentrum nicht ausfällt?

Nein. Auch redundant ausgelegte Systeme können durch Verkettungen von Fehlern, Bedienfehler, externe Ereignisse oder bislang nicht erkannte Risiken beeinträchtigt werden.

Eine Zertifizierung bestätigt die Einhaltung definierter Anforderungen innerhalb des geprüften Umfangs. Sie ist keine Garantie für einen vollständig störungsfreien Betrieb.

Bedeutet ein niedriger PUE automatisch, dass ein Rechenzentrum nachhaltig ist?

Nein. Der PUE betrachtet das Verhältnis zwischen gesamtem Energieeinsatz und Energieverbrauch der IT.

Er enthält für sich allein keine vollständige Aussage über CO₂-Emissionen, Herkunft der Energie, Wasserverbrauch oder Wiederverwendung von Abwärme. Deshalb enthält die Normenreihe zusätzliche Kennzahlen wie REF, ERF, CUE und WUE.

FAQ zur DIN EN 50600

Was bedeutet DIN EN 50600?

DIN EN 50600 bezeichnet die deutsche Ausgabe einer europäischen Normenreihe für Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren. Sie behandelt Planung, Bau, technische Infrastruktur, Betrieb, Verfügbarkeit, physische Sicherung und Energieeffizienz.

Für welche Rechenzentren gilt die DIN EN 50600?

Die Norm ist grundsätzlich für Rechenzentren unterschiedlicher Größe und Nutzung anwendbar. Welche Anforderungen tatsächlich umgesetzt werden, richtet sich unter anderem nach Risiko, Bedeutung der IT-Dienste und gewünschter Verfügbarkeit.

Ist DIN EN 50600 Pflicht?

Die Anwendung von DIN-Normen ist grundsätzlich freiwillig. Verbindlich können sie beispielsweise durch gesetzliche Verweise oder vertragliche Vereinbarungen werden.

Welche Verfügbarkeitsklassen gibt es?

DIN EN 50600 unterscheidet vier Klassen. Sie reichen von einer vergleichsweise einfachen Infrastruktur mit geringer Verfügbarkeit bis zu einer mehrpfadigen und weitgehend fehlertoleranten Auslegung für sehr hohe Verfügbarkeit.

Was ist der Unterschied zwischen Verfügbarkeitsklasse und Schutzklasse?

Die Verfügbarkeitsklasse beschreibt die konstruktiven Voraussetzungen für die Verfügbarkeit technischer Infrastrukturen. Schutzanforderungen beziehen sich dagegen auf die physische Sicherung gegen bestimmte Gefährdungen.

Ein Rechenzentrum kann deshalb nicht allein über seine Verfügbarkeitsklasse vollständig beschrieben werden.

Welche Anforderungen gelten für die Stromversorgung?

DIN EN 50600-2-2 behandelt Stromversorgung und Stromverteilung. Die konkrete Ausführung hängt von der gewünschten Verfügbarkeit ab. Bei höheren Anforderungen gewinnen redundante Komponenten, mehrere Versorgungspfade und die Wartbarkeit der Systeme an Bedeutung.

Ist eine USV nach DIN EN 50600 erforderlich?

Ob und in welcher Ausführung eine USV benötigt wird, hängt vom geplanten Versorgungskonzept und der angestrebten Verfügbarkeit ab. In typischen Rechenzentren übernimmt sie die unterbrechungsfreie Versorgung kritischer IT-Lasten bei Netzstörungen und während des Übergangs auf eine Ersatzstromversorgung.

Welche Rolle spielen Notstromaggregate?

Netzersatzaggregate können die Versorgung bei länger andauernden Netzausfällen übernehmen. Für hohe Verfügbarkeitsanforderungen müssen nicht nur die Aggregate selbst, sondern auch Verteilung, Steuerung, Kraftstoffversorgung und mögliche gemeinsame Fehlerpunkte betrachtet werden.

Welche Vorgaben gibt es für die Kühlung?

DIN EN 50600-2-3 behandelt die Regelung der Umgebungsbedingungen. Dazu gehören unter anderem Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Flüssigkeitsströme, Partikel und energiebezogene Aspekte. Die Norm schreibt nicht pauschal eine einzelne Kühltechnologie vor.

Was bedeutet PUE?

PUE steht für Power Usage Effectiveness. Die Kennzahl setzt den gesamten Energieverbrauch eines Rechenzentrums ins Verhältnis zum Energieverbrauch der IT. Die Berechnung wird in DIN EN 50600-4-2 behandelt.

Welche weiteren Nachhaltigkeitskennzahlen gibt es?

Neben PUE enthält beziehungsweise referenziert die Reihe unter anderem Kennzahlen für erneuerbare Energie, Energiewiederverwendung, Kühlung, CO₂-Emissionen und Wasserverbrauch. Dazu zählen REF, ERF, CER, CUE und WUE.

Kann auch ein bestehendes Rechenzentrum nach DIN EN 50600 bewertet werden?

Ja. Bestehende Einrichtungen können anhand der Anforderungen untersucht werden. Ob eine vollständige Anpassung an eine bestimmte Klasse technisch und wirtschaftlich möglich ist, hängt vom jeweiligen Bestand ab.

Was ist der Unterschied zwischen DIN EN 50600 und ISO/IEC 22237?

Die ISO/IEC-22237-Reihe ist die internationale Weiterentwicklung wesentlicher Inhalte der europäischen EN 50600. Die Nummerierung der Teile unterscheidet sich, inhaltlich bestehen jedoch enge Zusammenhänge.

Was unterscheidet DIN EN 50600 von ISO/IEC 27001?

DIN EN 50600 konzentriert sich auf Rechenzentrumseinrichtungen und deren physische beziehungsweise technische Infrastruktur. ISO/IEC 27001 behandelt Informationssicherheitsmanagement.

Was unterscheidet die DIN-EN-50600-Klassen von Tier I bis Tier IV?

Beide Systeme verwenden vier Stufen und weisen teilweise ähnliche Zielsetzungen auf. Sie beruhen jedoch auf unterschiedlichen Regelwerken und Kriterien. Eine direkte Gleichsetzung ist daher nicht möglich.

Fazit: DIN EN 50600 betrachtet das Rechenzentrum als Gesamtsystem

DIN EN 50600 schafft einen zusammenhängenden Rahmen für die Planung, den Bau und den Betrieb von Rechenzentren. Die Normenreihe betrachtet Gebäude, Stromversorgung, Kühlung, Verkabelung und physische Sicherung nicht als voneinander unabhängige Gewerke, sondern als Teile einer gemeinsamen Infrastruktur.

Ein wesentlicher Grundgedanke besteht darin, technische Anforderungen aus Risiken und dem tatsächlichen Bedarf abzuleiten. Nicht jedes Datacenter benötigt die höchste Verfügbarkeitsklasse. Gleichzeitig reicht es bei hohen Anforderungen nicht aus, lediglich einzelne Geräte redundant auszulegen.

Mit den Teilen 3-1 und 4-x bezieht die Reihe außerdem Betrieb, Management sowie Energie- und Ressourceneffizienz ein. Neben dem bekannten PUE können damit auch der Anteil erneuerbarer Energien, die Energiewiederverwendung, die Effizienz der Kühlung, CO₂-Emissionen und Wasserverbrauch bewertet werden.

Die Normenreihe wird zudem weiterentwickelt. Besonders beim Management und Betrieb ist zu beachten, dass neben der veröffentlichten DIN EN 50600-3-1:2016-08 seit 2025 ein umfassend überarbeiteter Entwurf vorliegt. Parallel werden wesentliche Inhalte der europäischen Normung international innerhalb der Reihen ISO/IEC 22237 und ISO/IEC 30134 weitergeführt.

Für Planung, Ausschreibung oder Zertifizierung ist deshalb nicht nur die Bezeichnung „DIN EN 50600“ entscheidend. Maßgeblich sind die konkret angewendeten Teile, deren Ausgabestand sowie die festgelegten Verfügbarkeits- und Schutzanforderungen.