Im Rechenzentrumsbetrieb gewinnt die adiabatische Kühlung (Verdunstungskühlung) zunehmend an Bedeutung als energieeffiziente Alternative zur herkömmlichen Kompressorkühlung. Dabei wird der physikalische Effekt der Verdunstung von Wasser genutzt, um Luft abzukühlen – ganz ohne klimaschädliche Kältemittel. Im Folgenden werden die technischen Grundlagen, Varianten, Vor- und Nachteile sowie Effizienz-, Kosten- und Nachhaltigkeitsaspekte dieser Technologie erläutert. Außerdem werden Praxisbeispiele und Empfehlungen für den Einsatz adiabater Kühlsysteme in Rechenzentren vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
- Technische Grundlagen und Funktionsweise
- Technologien und Varianten (direkt vs. indirekt)
- Vorteile gegenüber konventioneller Kälteerzeugung
- Nachteile und Einschränkungen
- Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
- Wirtschaftliche Aspekte (Kosten)
- Empfehlungen und Rahmenbedingungen für den Einsatz
- Fazit
- FAQs zu adiabatischen Kühlung

Technische Grundlagen und Funktionsweise
Das Prinzip der adiabatischen Kühlung beruht auf Verdunstungskälte: Wenn Wasser verdunstet, entzieht dieser Phasenwechsel der Umgebung Wärmeenergie, wodurch die Luft abkühlt. Dieser Prozess läuft ab, ohne dass externe Kältemittel oder mechanische Kompression erforderlich sind – Wasser fungiert als natürliches Kältemittel und die Umgebungsluft wird durch den Entzug fühlbarer Wärme gekühlt. Die Gesamtenergie im System bleibt gleich (daher adiabatisch), aber die fühlbare Lufttemperatur sinkt durch die Aufnahme der Verdunstungswärme in den Wasserdampf.
Wichtig für die Kühlwirkung ist die relative Feuchte der Luft: Trockene Luft kann viel Wasserdampf aufnehmen und erzeugt einen starken Kühleffekt, während bei hoher Luftfeuchtigkeit das Potenzial der Verdunstungskühlung begrenzt ist. In trockenen bis mäßig feuchten Umgebungen lassen sich durch Verdunstung Temperaturabsenkungen um bis zu ~15 °C erreichen. Bei nahezu gesättigter Luft (hoher Feuchte) reduziert sich der Effekt jedoch drastisch, da die Luft kaum zusätzliches Wasser aufnehmen kann. Daher ist adiabatische Kühlung besonders wirksam in Regionen mit niedriger bis mittlerer Luftfeuchtigkeit, während in sehr feuchten Klimazonen die Leistung begrenzt ist. In der Praxis wird die Kühlgrenze durch die Feuchtkugeltemperatur bestimmt – unter diese kann durch reine Verdunstungskühlung die Luft nicht abgekühlt werden.
Ein großer Vorteil des adiabatischen Verfahrens ist, dass es keine synthetischen Kältemittel (F-Gase mit hohem Treibhauspotenzial) benötigt und damit umweltschonender arbeitet. Zudem verbraucht es deutlich weniger elektrische Energie als konventionelle Kompressionskälte: Der Verdunstungsprozess liefert bis zu ~95% der Kühlleistung und ermöglicht massive Energieeinsparungen. Studien zeigen, dass adiabate Kühlung – bei optimaler Ausnutzung (nahe 100% Luftsättigung) – rund 27% weniger Energie als rein trockene Kühlung verbraucht. In Rechenzentrumsumgebungen sind sogar Einsparungen von 60–90% der Kühlenergie realisierbar (Details siehe Abschnitt Vorteile).
Die Funktionsweise im Rechenzentrum besteht typischerweise darin, dass außen angesaugte Luft über mit Wasser befeuchtete Flächen (z. B. Befeuchtermatten oder Sprühdüsen) geführt wird. Dabei verdunstet ein Teil des Wassers und kühlt die Luft adiabatisch ab. Diese kühle Luft kann nun direkt oder indirekt zur Wärmeabfuhr der IT-Geräte genutzt werden. Wichtig ist, dass bei der Verdunstung zwar die Lufttemperatur sinkt, aber die Luftfeuchtigkeit steigt (der Prozess wandelt sensible Wärme in latente Wärme des Wasserdampfs um). Je nach Systemarchitektur unterscheidet man verschiedene Kühlkonzepte, vor allem direkte und indirekte adiabatische Kühlung, die im nächsten Abschnitt erläutert werden.

Technologien und Varianten (direkt vs. indirekt)
Bei adiabatischen Kühlsystemen in Rechenzentren kommen hauptsächlich zwei Varianten zum Einsatz:
• Direkte adiabatische Kühlung – Verdunstung in der Zuluftströmung, die direkt in den Serverraum geleitet wird.
• Indirekte adiabatische Kühlung – Verdunstung in einem separaten Luft- oder Wasserkreislauf, der über einen Wärmetauscher die Kälte an die Serverraumluft überträgt, ohne dass verdunstetes Wasser in die IT-Luft gelangt.
Direkte adiabatische Kühlung
Bei der direkten Methode wird Außenluft zunächst gefiltert und dann unmittelbar mit einem feinen Wassernebel oder über Befeuchtermatten angefeuchtet. Durch die Verdunstung kühlt sich die Luft ab und strömt direkt in den Serverraum. Dieses Verfahren ist einfach und äußerst energieeffizient, da keine Zwischenstufen nötig sind. In trockenen Klimazonen kann die direkte Verdunstungskühlung die Lufttemperatur sehr schnell um z. B. bis zu 16 °C senken und benötigt nur etwa 25% der elektrischen Leistung einer herkömmlichen Klimaanlage. Zudem führt sie kontinuierlich Frischluft zu, was in manchen Fällen die Luftqualität verbessert.
Allerdings steigt dabei zwangsläufig die Luftfeuchte im Rechenzentrum an, da das Wasser direkt in die Zuluft verdampft wird. Dies birgt Risiken für die IT-Hardware, die nur begrenzte Feuchtigkeit verträgt. Überhöhte Feuchte kann Korrosion fördern oder Kondensation an kalten Stellen verursachen. Daher ist die direkte adiabatische Kühlung im RZ-Betrieb nur bedingt einsetzbar – meist nur in Regionen mit sehr trockener Außenluft und unter strenger Hygrostat-Regelung, um die relative Feuchte im zulässigen Bereich zu halten. Ein weiteres Problem ist, dass bei direkter Außenluftzufuhr Verunreinigungen (Staub, Schadstoffe) ins Rechenzentrum gelangen können, weshalb eine gründliche Filtration unerlässlich ist. In der Praxis wird aus diesen Gründen die direkte Methode selten als alleiniges Kühlverfahren für große Rechenzentren verwendet – einige Betreiber (insbesondere Hyperscaler in geeigneten Klimazonen) nutzen sie jedoch in Kombination mit Filter- und Steuerungssystemen.
Indirekte adiabatische Kühlung
Diese Variante ist für Rechenzentren meist präferiert, da sie die angesprochene Feuchte- und Kontaminationsproblematik entschärft. Indirekte Systeme arbeiten mit zwei getrennten Luftströmen. Außenluft wird angesaugt, gefiltert und in einem separaten Kreislauf befeuchtet (z. B. über Sprühdüsen oder ein Benetzungspad). Dort verdunstet Wasser und kühlt diesen Luftstrom ab. Ein Wärmeübertrager (z. B. ein Luft-Luft-Kreuzstrom-Wärmetauscher) überträgt die Kälte von der befeuchteten Außenluft auf den internen Luftkreislauf, der durch die Serverräume zirkuliert. Wichtig: Die beiden Luftströme mischen sich nicht, die Rechenzentrums-Luft bleibt trocken und sauber, da nur über den Wärmetauscher Wärme ausgetauscht wird. Die indirekte adiabatische Kühlung liefert daher kühle Zuluft ohne Feuchteanstieg im Serverraum – die relative Feuchte der Zuluft lässt sich so im empfohlenen Bereich halten, typischerweise 40–60%. Laut Literatur kann die indirekte Methode die Feuchtelast um ~60% reduzieren und benötigt rund 30% weniger Wasser im Vergleich zur direkten Kühlung (bei gleicher Kühlwirkung). Zudem wird das Risiko mikrobieller Verunreinigungen im RZ minimiert, da kein offenes Wasser in den Luftstrom der IT gelangt.
Allerdings ist der Aufbau etwas komplexer: Ein zusätzlicher Wärmetauscher und oft zwei Lüfter (für Innen- und Außenluft) werden benötigt, was den Strombedarf gegenüber einer direkten Lösung leicht erhöht. Dennoch bieten moderne indirekte Systeme enorme Energieeinsparungen gegenüber klassischen Klimaanlagen und ermöglichen eine sehr hohe Effizienz – häufig wird die Kompressionskälte nur an wenigen extrem heißen Stunden im Jahr zugeschaltet, falls überhaupt nötig.
Zweistufige und hybride Konzepte
Neben den reinen direkten und indirekten Ansätzen existieren Kombinationen, um die Vorteile beider zu maximieren. Ein Beispiel ist die zweistufige adiabatische Kühlung, bei der zunächst eine indirekte Kühlstufe erfolgt und anschließend eine direkte Befeuchtung nachgeschaltet wird. In der ersten Stufe kühlt ein Wärmetauscher die Zuluft mit verdunstungsgekühlter Außenluft vor (ohne Befeuchtungsanstieg der Zuluft). In der zweiten Stufe wird die bereits abgekühlte Zuluft nochmals direkt durch Verdunstung heruntergekühlt. Auf diese Weise können sehr niedrige Austrittstemperaturen erreicht werden, bei gleichzeitig moderater relativer Feuchte im Serverraum (typisch 50–65%, verglichen mit ~70% bei einstufig direkter Kühlung). Zwei-Stufen-Systeme – oft auch als indirekt-direkte oder hybride Kühlsysteme bezeichnet – erlauben eine präzisere Kontrolle von Temperatur und Feuchte und eignen sich damit auch für anspruchsvollere Klimabedingungen. Laut ASHRAE-Angaben verbrauchen solche zweistufigen Verdunstungskühler 60–75% weniger Strom als konventionelle kältemittelbasierte Klimaanlagen. Gleichzeitig können sie den Wasserverbrauch um ~30% reduzieren, da die Hauptkühlung in der ersten (indirekten) Stufe erfolgt und die zweite Stufe nur noch eine Feinanpassung vornimmt.
Einige neuere Systeme verwenden stattdessen Membran-Wärmeübertrager, bei dem Wasser durch eine semipermeable Membran verdunstet, um einen getrennten Wasserkreislauf zu kühlen – dieses kalte Wasser kühlt dann wiederum die Luft. Solche Konzepte ermöglichen den adiabatischen Betrieb sogar in relativ feuchten Klimazonen mit minimiertem Wasserverbrauch. Generell lassen sich verschiedene Freikühlungs-Techniken kombinieren (Außenluftkühlung, adiabatische Abluftbefeuchtung, Verdunstungskühltürme etc.), um je nach Außenbedingungen das Optimum an Kühlleistung bei minimalem Ressourcenverbrauch zu erzielen. Die Vielfalt der Ansätze erlaubt es, adiabatische Kühlung flexibel an Standort und Anforderungen anzupassen – sei es durch direktes Verfahren in sehr trockenen Gebieten oder durch mehrstufige indirekte Systeme für gemäßigte und feuchte Klimata.
Vorteile gegenüber konventioneller Kälteerzeugung
Der Einsatz adiabatischer Kühlung bringt eine Reihe von Vorteilen gegenüber herkömmlichen Kompressionskältemaschinen (CRAC/Chiller-Systemen):
• Dramatische Energieeinsparungen: Da hauptsächlich Ventilatoren und Pumpen betrieben werden und die Kühlung durch den natürlichen Verdunstungsprozess erfolgt, sinkt der Stromverbrauch für die Klimatisierung erheblich. Betreiber berichten von Einsparungen bis zu 60–90% der Kühlenergie. Beispielsweise konnte durch freie Kühlung und Adiabatik der Bedarf an mechanischer Kälte in einem Rechenzentrum um ~90% reduziert werden. In einem anderen Fall führte der Umstieg auf ein zweistufig-adiabatisches System zu 95% weniger Kühlkosten und ~95% weniger CO₂-Emissionen verglichen mit Kompressorkühlung. Diese gewaltigen Einsparungen resultieren direkt in einer Reduzierung der Stromrechnung sowie einer verbesserten CO₂-Bilanz des Rechenzentrums.
• Hohe Energieeffizienz / niedriger PUE: Durch den geringeren Strombedarf der Infrastruktur verbessert sich der Power Usage Effectiveness (PUE) deutlich. Moderne Rechenzentren mit konsequenter Freikühlung und adiabatischer Unterstützung erreichen PUE-Werte um 1,1–1,2 – das heißt, nur ~10–20% des Gesamtenergieverbrauchs entfallen auf Klima, Stromversorgung etc. Zum Vergleich: Ältere Rechenzentren mit klassischer Kälte liegen oft bei PUE 1,5–2,0 oder höher. Adiabatische Kühlsysteme ermöglichen also deutlich effizientere Anlagen, was auch im Kontext gesetzlicher Effizienzvorgaben (z. B. EU-Verordnungen) ein großer Vorteil ist.
• Verzicht auf Kältemittel mit Treibhauspotenzial: Adiabate Systeme kommen ohne synthetische Kältemittel wie F-Gase aus. Dadurch entfällt das Risiko klimaschädlicher Emissionen durch Leckagen und auch die Entsorgung/Handhabung dieser Kältemittel. Umweltauflagen (z.B. die F-Gase-Verordnung) werden automatisch erfüllt. Wasser ist ein natürliches, ungiftiges Kältemittel mit GWP = 0.
• Nachhaltigkeit und CO₂-Ersparnis: Der geringere Energiebedarf führt – insbesondere bei Nutzung von konventionellem Strommix – zu erheblichen CO₂-Einsparungen. So wurde z. B. berichtet, dass ein Rechenzentrum durch eine adiabatische Kühlung 14.000 Tonnen CO₂ pro Jahr einspart. Selbst wenn Ökostrom eingesetzt wird, erlaubt die freiwerdende elektrische Leistung eine anderweitige Nutzung und verringert den Bedarf an Netzausbau. Adiabatische Kühlung leistet somit einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen IT-Infrastruktur.
• Weniger Betriebsgeräusche (keine Kompressoren): Das Fehlen von Verdichtern kann die Geräuschentwicklung reduzieren. Adiabatische Kühlmodule bestehen primär aus Ventilatoren und Wasserpumpen, die oft leiser sind als große Kältemaschinen. Allerdings erzeugen große Luftströme ihrerseits Lüftergeräusche – hierzu mehr unter Nachteile.
• Hohe Ausfallsicherheit und Einfachheit: Adiabatische Kühlsysteme haben vergleichsweise wenige mechanische Komponenten. Die Hauptakteure sind Lüfter, Wärmetauscher und Pumpen – diese sind in der Regel weniger störanfällig als komplexe Kältekreisläufe mit Verdichtern. Viele Systeme sind redundant ausgelegt (mehrere parallele Kühleinheiten), sodass der Ausfall einer Komponente nicht zum Ausfall der Kühlung führt.
• Verbesserte Nutzung von Freikühlung: Adiabatik erweitert das Temperaturfenster, in dem ohne Kompressorkälte gearbeitet werden kann. Selbst an wärmeren Tagen kann durch Befeuchtung der Außenluft noch ausreichend Kühlleistung erzielt werden, wo reine Luftkühlung nicht mehr genügt. Damit wird die Anzahl der Stunden/Jahr mit vollmechanischer Kühlung drastisch reduziert. In günstigen Klimaregionen kann man unter Umständen gänzlich auf Chiller verzichten. (Beispiel: Google betreibt ein Rechenzentrum in Belgien ohne jegliche Kältemaschinen, siehe Praxisbeispiele.)
• Kältepotenzial für Abwärmenutzung: Adiabatische Kühlwerke (z.B. Rückkühlwerke) liefern oft Temperaturniveaus, die eine Weiterverwendung der „Abwärme“ ermöglichen. Zwar ist die Abluft noch warm, kann aber dann z. B. in Bürogebäuden zur Vorerwärmung genutzt werden. So steigert man die Gesamteffizienz der Anlage..
Zusammengefasst erlaubt adiabatische Kühlung eine massive Reduktion des Energieverbrauchs bei der Klimatisierung und damit Kosten- und Umweltvorteile, die mit klassischen Klimaanlagen kaum erreichbar sind. Viele moderne “grüne” Rechenzentren setzen daher bevorzugt auf dieses Prinzip, um PUE-Werte zu senken und Nachhaltigkeitsziele (ESG, Klimaneutralität) zu unterstützen.
Nachteile und Einschränkungen
Trotz der großen Vorteile gibt es auch Nachteile und Limitationen, die bei adiabatischen Kühlsystemen beachtet werden müssen:
• Hoher Wasserverbrauch: Die Kehrseite des geringeren Stromverbrauchs ist ein erheblicher Bedarf an Wasser. Große Rechenzentren mit Verdunstungskühlung können mehrere Millionen Liter Wasser täglich benötigen. Dies wirft Nachhaltigkeits- und Kostenfragen auf, vor allem in Regionen mit Wasserknappheit. Zwar ist Wasser in vielen Ländern (noch) günstiger als Elektroenergie, aber steigende Wasserpreise und Nutzungseinschränkungen (z. B. Dürreperioden) können den Betrieb beeinträchtigen. Betreiber stehen vor dem ethischen und regulatorischen Druck, den Wasserverbrauch so gering wie möglich zu halten. Zudem muss häufig hochwertiges Wasser eingesetzt werden: Für Befeuchter und Sprühdüsen ist entkalktes, salzarmes Wasser nötig, um Ablagerungen zu vermeiden. Oft sind Filter- und Aufbereitungssysteme (Enthärtung, Umkehrosmose etc.) erforderlich, was die Anlagenkomplexität erhöht. Ein positiver Ansatz ist die Nutzung von Regenwasser oder Grauwasser: Regenwasser ist von Natur aus sehr kalk- und salzarm und damit gut geeignet. Einige Rechenzentren verwenden auch gereinigtes Abwasser oder Wasser aus Kanälen/Flüssen (mit zusätzlicher Filterung) für die adiabatische Kühlung, um Trinkwasser zu sparen. Nichtsdestotrotz bleibt der absolute Wasserbedarf ein wichtiger limitierender Faktor – gemessen wird er mit Kennzahlen wie WUE (Water Usage Effectiveness) in Litern pro kWh IT-Verbrauch (siehe Nachhaltigkeitsaspekte).
• Klimaabhängigkeit und Leistungsgrenzen: Adiabatische Kühlung funktioniert umso besser, je kühler und trockener die Außenluft ist. In heißen, feuchten Klimazonen erreicht das Verfahren naturbedingt Grenzen. Eine Kühlung unter die Feuchtkugeltemperatur ist nicht möglich – an Tagen mit sehr hoher Luftfeuchte und hohen Temperaturen kann die gewünschte Zulufttemperatur eventuell nicht allein durch Verdunstung gehalten werden. In solchen Situationen muss ein Back-up vorhanden sein: entweder durch Zuschaltung von Kompressionskältemaschinen (Nachkühlregister) oder durch betriebliche Maßnahmen (z. B. Reduktion der IT-Last). Google z.B. verzichtet in Belgien zwar komplett auf Chiller, nimmt aber in Kauf, an ca. 7 heißen Tagen pro Jahr bei Bedarf IT-Systeme herunterzufahren bzw. Workloads in kühlere Rechenzentren zu verlagern. Diese Lösung kommt jedoch nur für wenige Unternehmen mit global verteilten Rechenzentren in Frage. Generell gilt: In mitteleuropäischem Klima kann adiabatische Kühlung mit entsprechenden Auslegungen (z. B. Zulufttemperaturen bis 27 °C oder höher) fast das ganze Jahr die benötigte Kälte liefern. Nur wenige Stunden im Jahr überschreiten Außentemperatur und -feuchte die Bedingungen, dann müssen ggf. Kältemaschinen unterstützen. Wer jedoch eine sehr niedrige Servereintrittstemperatur fordert oder keinerlei Toleranz für Temperaturanstiege hat, muss in ungünstigen Klimazeiten auf konventionelle Kühlung zurückgreifen. Die Planung der Anlage muss diese Spitzenlast-Fälle berücksichtigen (hybrides Systemdesign).
• Feuchteregulierung und Hardware-Verträglichkeit: Bei direkter adiabatischer Kühlung wird ständig Feuchtigkeit in die Luft eingebracht, was zu hoher relativer Feuchte führen kann. Zu feuchte Luft (>60% r.F.) im Serverraum kann Kondensation an kühleren Bauteilen und korrosive Effekte an Kontakten/Schaltkreisen auslösen. Zwar liegt die ASHRAE-Empfehlung für zulässige Feuchte in Rechenzentren zwischen ~20% und 80% r.F., jedoch wird ein Bereich um 40–60% angestrebt, um ESD bei zu trockener Luft und Kondensation bei zu feuchter Luft zu vermeiden. Direkte adiabatische Systeme müssen daher durch Regelungstechnik sichergestellt werden, dass die Zuluftfeuchte den oberen Grenzwert nicht überschreitet – oft geschieht dies durch Beimischung von trockenerer Umluft in feuchten Phasen. Indirekte Systeme umgehen das Problem, indem die Feuchte außen bleibt; hier ist eher darauf zu achten, dass im Umluftkreislauf nicht zu stark entfeuchtet wird (bei Kühlung sinkt r.F. im Serverraum üblicherweise nicht unter Außenniveau). Insgesamt erfordert die Feuchteproblematik Aufmerksamkeit: Ein rein adiabatisches System eignet sich nicht, wenn absolut konstante Klimawerte ohne Ausreißer gefordert sind und keine Ergänzung durch Befeuchtung/Entfeuchtung möglich ist.
• Wasserqualität, Hygiene und Wartungsaufwand: Wo Wasser verdunstet, bleiben Mineralien zurück – es drohen Kalkablagerungen und Verstopfungen an Düsen oder auf Befeuchtermatten. Daher ist oft eine Wasseraufbereitung nötig (Enthärtungsanlagen, Filtration). Außerdem muss der Betrieb hygienisch unbedenklich sein: Warmes Wasser in offenen Rückkühlkreisläufen kann zur Keimbildung (Legionellen) führen, wenn es nicht richtig geführt wird. Adiabate Kühler müssen daher regelmäßig gereinigt und ggf. desinfiziert werden; viele sind nach VDI 6022 (Hygiene raumlufttechnischer Anlagen) zertifiziert. Neuere Entwicklungen setzen auf selbsttrocknende Systeme – z.B. Rückkühler, die nur im Bedarfsfall befeuchtet werden und ansonsten trocken laufen. Das vermindert Biofilmbildung deutlich. Dennoch: Regelmäßige Wartung ist unumgänglich – Verdunstungsmodule (Pads) müssen ggf. jährlich oder alle paar Jahre getauscht werden, Pumpen und Ventilatoren sind zu inspizieren, Filter zu reinigen/wechseln. Der Wartungsaufwand ist damit tendenziell höher als bei einem hermetisch geschlossenen Kälteaggregat. Allerdings entfallen andere Tätigkeiten (wie Kältemittel-Leckagekontrolle).
• Platzbedarf und bauliche Integration: Adiabatische Kühlsysteme, insbesondere indirekte mit Luft/Luft-Wärmetauschern, benötigen große Luftmengen. Entsprechend fallen die Gerätegrößen größer aus als bei rein mechanischen Kühlsätzen. Luftkanäle, Rückkühlwerke oder Verdunstungstürme müssen auf Dach oder Hoffläche untergebracht werden. Nachrüstungen in bestehenden Rechenzentren sind deshalb oft schwierig, weil die benötigten freien Flächen oder Schächte fehlen. Adiabatik eignet sich besser für Neubauten, wo man von Anfang an Platz für Lüftungszentralen, Wasserbecken/-zisternen etc. einplant. Zudem sind die Geräte (große Lüfter, Luftströme durch Kühltürme) nicht geräuschlos – in dichter Besiedelung muss gegebenenfalls Schallschutz vorgesehen werden.
• Investitionskosten und Planungskomplexität: Obwohl aufwendige Kältemaschinen eingespart werden können, erfordert adiabatische Kühlung sorgfältige Planung und entsprechende Infrastruktur (Wasseranschlüsse, Steuerungstechnik für kombinierten Wasser-/Strom-Einsatz, Notfall-Szenarien bei Wasserknappheit etc.). Die Anschaffungskosten für große adiabatische Rückkühlwerke können ebenfalls erheblich sein – wobei sie meist dennoch unter denen einer äquivalenten Kompressionskälteanlage liegen. In Summe kann die Anfangsinvestition vergleichbar oder etwas höher sein, was mit dem Betreiber aber projektspezifisch abgewogen werden muss (siehe Kostenbetrachtung). Der Betrieb bei sehr kalten Außentemperaturen erfordert zudem Frostschutzmaßnahmen (z.B. Beheizung von Wasserleitungen oder Leerlaufen lassen), was die Regelungstechnik weiter verkompliziert. Insgesamt steigt durch die Kombination von zwei Medien (Luft und Wasser) die Komplexität der Anlagensteuerung – moderne Systeme optimieren allerdings automatisch nach vorgegebenen Parametern (z.B. Priorität Energie sparen vs. Wasser sparen) und machen den Betrieb beherrschbar.
Trotz dieser Einschränkungen überwiegen in vielen Fällen die Vorteile. Die Branche reagiert auch mit Innovation auf die Nachteile: So gibt es etwa adiabate Kühler mit intelligenter Steuerung, die den Wasserverbrauch um bis zu 80–90% gegenüber früheren Verdunstungssystemen senken, indem Wasser nur bei Bedarf versprüht wird. Solche Lösungen kombinieren die Zuverlässigkeit eines Trockenkühlers mit der Effizienz eines Nasskühlers, ohne ständig Wasser zu verbrauchen. Auch in Sachen Hygiene wurden Fortschritte erzielt (antibakterielle Beschichtungen, aerosolfreie Befeuchtung, selbstreinigende Strukturen). Unterm Strich erfordert der Einsatz adiabatischer Kühlung eine sorgfältige Abwägung von Energie- vs. Wasserverbrauch und eine Anpassung an Standortbedingungen – darauf wird im Abschnitt Empfehlungen näher eingegangen.
Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
Adiabatische Kühlung gilt als Schlüsseltechnologie, um die Energieeffizienz von Rechenzentren zu steigern und nachhaltigere Infrastrukturen zu schaffen. Einige zentrale Aspekte dabei sind:
• Power Usage Effectiveness (PUE): Wie oben erwähnt, kann durch konsequente Nutzung von Freikühlung und adiabater Unterstützung der PUE eines Rechenzentrums auf ~1,1–1,3 gedrückt werden. Viele aktuelle Rechenzentren in gemäßigten Klimazonen erreichen PUE-Werte um 1,2, während ältere Designs oft bei 1,6 und höher liegen. Ein niedrigerer PUE bedeutet weniger “Overhead” – sprich ein größerer Anteil des Stroms fließt in die IT und nicht in Kühlung oder Infrastruktur. Diese Verbesserungen leisten einen unmittelbaren Beitrag zur Senkung des Gesamtenergieverbrauchs der Digitalwirtschaft.
• CO₂-Emissionen und Klimabilanz: Indirekt führt die Stromeinsparung auch zu einer Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Selbst wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, ist der klimarelevante “Footprint” pro Rechenleistung bei effizienteren Rechenzentren geringer (graue Emissionen der Infrastruktur eingerechnet). Zudem vermeiden adiabate Systeme die Emission von hochwirksamen Treibhausgasen aus Kältemitteln. Natürlich hängt die tatsächliche Emissionsminderung von der Stromerzeugung ab: Ist der Strommix noch fossil, potenziert jede eingesparte kWh den Effekt. Daher wird häufig betont, dass Energy Usage Effectiveness und Carbon Usage Effectiveness (CUE) gemeinsam betrachtet werden sollten – adiabatische Kühlung verbessert primär den PUE, während die CO₂-Bilanz zusätzlich durch Grünstrom beeinflusst wird.
• Water Usage Effectiveness (WUE): Als Gegenspieler zum PUE gewinnt der Wasserverbrauch an Bedeutung als Nachhaltigkeitsindikator. WUE definiert, wie viele Liter Wasser pro IT-Kilowattstunde verbraucht werden. Adiabatische Kühlung kann den Stromverbrauch drastisch senken, hat aber – wenn unoptimiert – einen hohen WUE. Laut einem Bericht des US-Energieministeriums liegt der Durchschnitts-WUE von Rechenzentren bei ~1,8 L/kWh. Modernen Hyperscaler-Rechenzentren gelingt es jedoch, diesen Wert zu unterbieten: Facebook etwa meldet eine WUE von 0,30 L/kWh (Durchschnitt 2020) durch effiziente evaporative Kühlung und Recyclingmaßnahmen. Dies wurde u.a. durch Investitionen in ein neues zweistufiges System erreicht, das Wasser in einem geschlossenen Kreislauf verdunstet und so Wasser einspart. Gleichzeitig ist das ein Beispiel, wie Technologie den Zielkonflikt abmildern kann: Durch kluge Regelung (nur zeitweises Befeuchten, sonst Trockenkühlung) konnte ein Hersteller den Wasserverbrauch um 80–90% verringern, verglichen mit herkömmlichen Kühlverfahren. Damit einher gingen 45% Einsparungen bei den kombinierten Wasser- und Energiekosten in einem Test in Kalifornien. Dieses Beispiel zeigt, dass mit Blick auf Nachhaltigkeit Energie- und Wasserverbrauch ganzheitlich optimiert werden müssen. Viele Betreiber verfolgen inzwischen Water Stewardship-Programme, investieren in Regenwassernutzung und Wasserausgleichsprojekte, um den Wasserfußabdruck ihrer Rechenzentren zu reduzieren.
• Ganzheitliche Effizienz (ESG-Kriterien): Rechenzentrums-Effizienz wird heute nicht nur am PUE gemessen. Ergänzend fließen Kennzahlen wie WUE (Wasser), CUE (CO₂) und sogar EUE (Energy Reuse Effectiveness – Abwärmenutzung) in die Bewertung ein. Adiabatische Systeme können hierbei gemischte Auswirkungen haben: Sie treiben den PUE nahe an 1,0, was aus energetischer Sicht ideal ist. Der Trade-off ist ein höherer WUE, der in wasserarmen Gebieten kritisch sein kann. Betreiber müssen also abhängig vom Standort entscheiden, welche Ressource knapper ist: Wasser oder Strom. Google formuliert dies als Balance zwischen Energie- und Wasserverbrauch, um den Netto-Klimaeinfluss zu minimieren. In wasserkritischen Regionen setzt Google z.B. eher auf Luftkühlung ohne Wasser oder nutzt recyceltes Abwasser statt Frischwasser. Gleichzeitig verbessert der Einsatz von Ökostrom indirekt auch die Wasserbilanz (z.B. spart der Bezug von Solar-/Windstrom enorme Wassermengen, die bei Kühlwasser in Kraftwerken anfallen würden). Dies verdeutlicht: Adiabatische Kühlung ist ein Baustein im Gesamtkonzept nachhaltiger Rechenzentren, der aber mit anderen Maßnahmen (erneuerbare Energien, hocheffiziente IT, Abwärmenutzung, etc.) kombiniert werden muss, um ein wirklich grünes Ergebnis zu erzielen.
Zusammenfassend ermöglicht die adiabatische Kühlung herausragende Effizienzwerte und kann die Umweltbilanz eines Rechenzentrums deutlich verbessern. Sie verschiebt den Fokus der Ressourcennutzung von Elektrizität zu Wasser – was aus Klimasicht vorteilhaft sein kann, solange Wasser verantwortungsvoll eingesetzt wird. Mit zunehmender Technologiereife (bessere Steuerungen, sparsame Befeuchtung, Nutzung von Regen-/Brauchwasser) lassen sich sowohl niedrige PUE als auch moderate WUE erreichen. Adiabatische Kühlung ist damit ein wichtiger Hebel für nachhaltige IT-Infrastrukturen, sofern sie standortgerecht implementiert wird.

Wirtschaftliche Aspekte (Kosten)
Investitionskosten (CAPEX)
Die Anschaffungskosten adiabatischer Kühlsysteme können sehr unterschiedlich ausfallen, abhängig von Systemtyp und Größe. In vielen Fällen sind jedoch Einsparungen bei der Infrastruktur möglich, da auf große Kältemaschinen (Chiller, Kühltürme mit Kompressoren, Kaltwassersätze) verzichtet werden kann. Stattdessen benötigt man Luft-Wärmetauscher, Ventilatoren, Pumpen und ggf. Befeuchtungseinrichtungen. Diese Komponenten sind in Summe oft kostengünstiger. Allerdings müssen zusätzlich Wasserversorgung (Zuleitungen, Aufbereitung) und größere Lüftungsbauwerke eingeplant werden, was die Baukosten erhöhen kann. Per Saldo liegen die Investitionskosten pro kW Kühlleistung bei adiabaten Systemen meist auf ähnlichem Niveau oder darunter verglichen mit traditionellen Lösungen. Zudem bieten manche Hersteller modulare Systeme, die bestehende Trockenkühler durch adiabatische Nachrüstung aufrüsten – diese Retrofits sind in wenigen Tagen installierbar und oft wirtschaftlich, da die Hauptinvestition (der Rückkühler) schon vorhanden ist.
Betriebskosten (OPEX)
Hier liegt die größte Stärke der adiabatischen Kühlung. Durch die drastische Reduzierung des Stromverbrauchs sinken die laufenden Kosten erheblich. Kühlung macht in vielen Rechenzentren über 30–40% der Energiekosten aus; wenn dieser Anteil um z.B. 80% gesenkt wird, spart das den Betreiber enorme Summen. Natürlich variieren die Einsparungen je nach Strompreis und Auslastung, aber generell amortisieren sich Mehrinvestitionen in Effizienz binnen weniger Jahre durch die Stromersparnis.
Den Stromkosten stehen Wasserkosten gegenüber: Diese sind in den meisten Regionen deutlich geringer. Selbst in einem Extremfall (Kalifornien) führten die kombinierten Wasser- und Stromkosten mit einem optimierten adiabatischen System zu 45% Ersparnis gegenüber herkömmlicher Technik. Allerdings steigen in einigen Gegenden die Wassergebühren, sodass langfristig auch dies einzukalkulieren ist. Dennoch: Für 1 Liter verdunstetes Wasser lassen sich etwa 2.500 kJ Wärme abführen – energetisch entspricht das ~0,2 kWh, die eine Klimaanlage per Kompressor aufwenden müsste. Daher sind die Kosten pro Kälteeinheit bei Verdunstung oft deutlich geringer als bei elektrischer Kühlung, solange Wasser verfügbar ist.
Wartungskosten
Adiabatische Systeme erfordern regelmäßige Wartung (siehe Nachteile). Dies verursacht laufende Kosten für Personal, Reinigungsmittel, Filterwechsel, Wasseraufbereitung etc. Diese Zusatzkosten sind jedoch in der Regel moderat im Vergleich zur Stromkostenersparnis. Einige Betreiber berichten, dass der Unterhalt ihrer Adiabatik-Anlagen (inkl. Wasseraufbereitung) nur einen Bruchteil der eingesparten Stromkosten ausmacht. Zudem verbessert sich durch automatisierte Steuerungen (Selbstreinigung, algorithmenoptimierter Wassergebrauch) die Lebensdauer der Komponenten und der Wartungsaufwand sinkt tendenziell. Wichtig ist, bei der Planung einen ausreichenden Wartungszugang und ggf. Redundanzen vorzusehen, um Wartungsarbeiten im laufenden Betrieb zu ermöglichen.
Zusammengefasst bietet adiabatische Kühlung wirtschaftlich meist klare Vorteile: Die Gesamtbetriebskosten eines Rechenzentrums lassen sich signifikant senken, was bei großen Anlagen Millionenbeträge jährlich ausmachen kann. Die Return-on-Investment (ROI) für adiabatische Kühltechnik ist oft kurz – teils unter 2 Jahren – insbesondere bei hohen Stromtarifen. Mit steigenden Energiepreisen und eventuellen Wasserrestriktionen bleibt es wichtig, Kosten und Nutzen individuell abzuwägen. Dennoch zeigt die Praxis, dass adiabatische Kühlung in vielen Fällen nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch die bessere Lösung ist.
Empfehlungen und Rahmenbedingungen für den Einsatz
Ob und wie adiabatische Kühlung sinnvoll in einem Rechenzentrum eingesetzt werden kann, hängt von verschiedenen Rahmenbedingungen ab. Zum Abschluss einige Empfehlungen und Bedingungen für einen erfolgreichen Einsatz:
• Klimatische Eignung prüfen: Der Standort ist ein entscheidender Faktor. In kühlen oder gemäßigten Klimazonen mit überwiegend niedriger Luftfeuchte (z.B. Nordeuropa, Teile Nordamerikas) kann adiabatische Kühlung nahezu ganzjährig die Anforderungen erfüllen. In warmen, trockenen Regionen (Kalifornien, Wüstenklima) ist Verdunstungskühlung ebenfalls sehr effektiv, man muss aber den Wasserverbrauch berücksichtigen. In tropisch-feuchten Klimata (Südostasien) ist ein rein adiabatisches Konzept oft nicht ausreichend – hier bieten sich zweistufige/indirekte Lösungen oder Hybridsysteme mit Kälte-Unterstützung an. Generell gilt: Je höher die zulässige Servereintrittstemperatur im RZ (z.B. ASHRAE “A1”-Bereich bis 27 °C oder mehr), desto länger und häufiger kann die freie/adiabatische Kühlung genutzt werden. Es empfiehlt sich, die Auslegung auf die lokalen Wetterdaten (Temperatur- und Feuchtehäufigkeit) zu stützen und Simulationen durchzuführen, um abzuschätzen, wieviel Prozent des Jahres die Adiabatik allein ausreicht. In Mitteleuropa kann man bei 27 °C Zulauftemperatur typischerweise >95% der Jahresstunden ohne Kompressor überstehen. Backup-Kälte für Ausnahmefälle (Hitzewellen, ungewöhnlich hohe Feuchte) sollte aber eingeplant werden, außer man hat andere Absicherungen (Lastverteilung, Notfallpläne).
• Wasserverfügbarkeit und -qualität sicherstellen: Adiabatische Kühlung ist nur praktikabel, wenn eine ausreichende Wasserversorgung vorhanden ist. In wasserarmen Gebieten sollte man sorgfältig prüfen, ob der nötige Wasserbedarf gedeckt werden kann, ohne lokale Ressourcen zu überlasten. Hier kommen Alternativen in Betracht: Brauch- oder Regenwasser nutzen, eigene Zisternen und Aufbereitung vorsehen, oder notfalls auf wasserfreie Kühlung (rein luftbasiert) umsteigen. In ihrer Nachhaltigkeitsstrategie betonen etwa Google und Meta, dass in wassergefährdeten Regionen verstärkt Luftkühlung oder Wiederverwendung von Abwasser eingesetzt wird. Ist ausreichend Wasser vorhanden, sollte dessen Qualität beachtet werden: Weiches, salzarmes Wasser vermeidet Ablagerungen. Gegebenenfalls sind Enthärtungsanlagen oder Filter nötig – deren Betrieb sollte kontinuierlich überwacht werden (Leitfähigkeit, Härtegrad) und die Kosten in die Kalkulation einfließen. Es empfiehlt sich, Regenwassernutzung in Betracht zu ziehen, da Regen verhältnismäßig rein ist. Für große RZ kann auch eine Kooperation mit lokalen Wasserwerken sinnvoll sein, um geklärtes Abwasser zu beziehen. Zudem sollte eine Reserveversorgung eingeplant werden, falls es zu Wasserengpässen kommt (Speichertanks, vertragliche Absicherungen).
• Regelungstechnik und Betriebsstrategie: Die Anlage sollte so ausgelegt sein, dass sie flexibel zwischen Betriebsmodi wechseln kann: trocken (reine Freikühlung) – adiabatisch – mechanisch. Moderne adiabatische Kühler verfügen über Steuerungen, die je nach Außentemperatur und Feuchte automatisch die optimale Balance wählen. Hierbei kann man als Betreiber Prioritäten setzen, z.B. “Wassersparmodus” (etwas mehr Ventilatorleistung, dafür weniger Wasserverbrauch) vs. “Energiesparmodus” (maximal Wasser einsetzen, um Strom zu sparen). Solche Parameter sollten an die Standortbedingungen und Kostensituationen angepasst sein. Auch die Zieltemperaturen im RZ sollten nicht unnötig niedrig angesetzt werden – jedes Grad höherer Zulauftemperatur spart ca. 3–5% Kühlenergie. Viele Rechenzentren fahren heute problemlos mit 26–27 °C Zuluft, was der Effizienz zuträglich ist. Wichtig ist ferner, die Feuchte im IT-Bereich zu überwachen: Falls direkte Adiabatik verwendet wird, sind Hygrostaten und ggf. Entfeuchter vorzusehen, um innerhalb der empfohlenen Feuchtehülle (z.B. 40–60% r.F.) zu bleiben. Bei indirekter Adiabatik sollte die Steuerung verhindern, dass die Befeuchtung unnötig früh einsetzt (Stichwort: Schwellentemperaturen optimieren, um Wasser nur zu nutzen, wenn wirklich nötig).
• Redundanz und Notfallplanung: Auch adiabatische Kühlsysteme müssen nach dem N+1-Prinzip oder ähnlich redundant ausgeführt sein, um Ausfälle zu kompensieren. Dabei ist zu bedenken, dass zwei Ressourcen kritisch sind – Strom und Wasser. Ein Notstromaggregat hilft wenig, wenn die Wasserversorgung ausfällt. Daher sollte man für kritische Infrastrukturen notfalls einen Wasservorrat (Tank) für einige Stunden Betrieb vorhalten oder eine zweite Einspeisung haben. Die Redundanz sollte auch die Lüfter und Pumpen betreffen. In der Praxis werden z.B. mehrere Rückkühlzellen parallel geschaltet, sodass bei Ausfall einer Zelle die anderen mehr Leistung übernehmen. Im Winter muss außerdem ein Frostschutz-Konzept bestehen (Beheizung der Rückkühlkreisläufe, Ablassen des Außenwassers bei Stillstand etc.), damit die Anlage ganzjährig verfügbar ist.
• Bauliche Voraussetzungen: Adiabatische Kühlung erfordert Platz für umfangreiche Luftführung. Schon in der Planungsphase sollte geklärt werden, wo Luftein- und -auslässe liegen, wo ggf. Verdunstungstürme oder Geräte aufgestellt werden können (Dachlasten beachten!), und wie das Wasser zugeführt/abgeführt wird. Die Aufstellungsumgebung sollte möglichst frei von Staub oder schadstoffbelasteter Luft sein, da große Luftmengen angesaugt werden. Filter können viel abfangen, müssen aber häufiger gewechselt werden, wenn die Außenluft schlecht ist. Ebenso ist auf Nachbarschaft Rücksicht zu nehmen: Warme, feuchte Abluft wird ausgeblasen – dies sollte keine Gebäudeteile ansaugen und keine Kondensat-Schäden verursachen. Die Geräte können zudem Lärm erzeugen; hier sind ggf. Schallschutzhauben oder Abstände einzuhalten. Nachträgliche Einbauten adiabatischer Module in bestehende Rechenzentren sind zwar möglich, jedoch ist das optimal nur realisierbar, wenn genug Freiraum vorhanden ist. Daher im Zweifel bei Neubauten Adiabatik von Anfang an einplanen – die Mehrkosten sind überschaubar, wenn man dafür eine kleinere elektrische Kälteanlage benötigt.
• Monitoring und Kennzahlen: Es empfiehlt sich, den Betrieb einer adiabatischen Kühlung genau zu überwachen und anhand von Kennzahlen zu optimieren. Neben PUE sollte WUE gemessen und reportet werden, vor allem in wasserarmen Gebieten. Auch sollten die lokalen Umweltauflagen geprüft werden – mancherorts gibt es Restriktionen für große Wasserentnahmen oder für Aerosole. Ein aktives Wassermanagement (Zähler, Leckage-Detektion, Wasseraufbereitungskontrolle) ist integraler Bestandteil des Betriebs. Zudem kann es sinnvoll sein, Szenarien durchzuspielen: Was passiert bei Außentemperatur X + Luftfeuchte Y? – und dafür Automatisierungen einzurichten (z.B. frühzeitiges Hochfahren von Backup-Kälte bevor die Zuluft zu warm wird).
• Ganzheitlicher Ansatz: Schließlich sollte adiabatische Kühlung nicht isoliert betrachtet werden. Sie funktioniert am besten in Kombination mit anderen Effizienzmaßnahmen: Etwa Kalt-/Warmgangeinhausung, um die erforderliche Kälteleistung zu minimieren (weniger Luftvolumen zu kühlen). Auch IT-seitige Optimierungen (Lastverteilung, Temperaturmanagement auf Serverebene) können die Spielräume erweitern – z.B. verkraften moderne Server auch 30 °C Zuluft, was die Adiabatik länger nutzbar macht. Des Weiteren sollte man – wo immer möglich – Abwärme nutzen oder zumindest abführen, damit sie nicht die Kühlaufgabe erhöht. Adiabatische Systeme liefern oft Ausblastemperaturen, die noch zur Gebäudeheizung taugen. Solche Kopplungen erhöhen die Gesamteffizienz enorm.
Fazit
Adiabatische Kühlung bietet unter passenden Bedingungen enorme Vorteile für Rechenzentren in Bezug auf Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit. Sie ist besonders empfehlenswert, wenn ein Rechenzentrum in einem Klima mit gemäßigten bis trockenen Bedingungen betrieben wird und Wasser in vertretbarem Umfang verfügbar ist. In diesen Fällen kann sie die Betriebskosten drastisch senken und zum Erreichen niedriger PUE-/WUE-Werte beitragen. Bei Planung und Betrieb gilt es jedoch, die genannten Rahmenbedingungen zu beachten – insbesondere Wasserbedarf, Klimadaten und bauliche Integration. Mit der richtigen Auslegung und Strategie stellt die adiabatische Kühlung einen zukunftsweisenden Baustein für nachhaltige Rechenzentrums-Infrastrukturen dar. Die Technologie ist ausgereift und wird durch Innovationen weiter verbessert, sodass sie auch angesichts des Klimawandels (häufigere Hitzetage, Ressourcenknappheit) einen wichtigen Beitrag leisten kann, Rechenzentren effizient, zuverlässig und umweltfreundlich zu kühlen.
FAQs zu adiabatischen Kühlung
Was versteht man unter adiabatischer Kühlung in Rechenzentren?
Adiabatische Kühlung ist ein energieeffizientes Kühlverfahren, bei dem die Verdunstung von Wasser genutzt wird, um Luft abzukühlen. Die Verdunstungsenergie wird der Luft entzogen, wodurch sich deren Temperatur senkt – ganz ohne klassische, stromintensive Kältekreisläufe.
Worin liegt der Unterschied zwischen direkter und indirekter adiabatischer Kühlung?
Bei der direkten adiabatischen Kühlung wird befeuchtete Außenluft direkt in den Serverraum geführt, wodurch die Luftfeuchtigkeit ansteigt. Die indirekte adiabatische Kühlung nutzt einen Wärmetauscher, sodass Außenluft und Zuluft getrennt bleiben und die Zuluft trocken ist.
Unter welchen klimatischen Bedingungen ist adiabatische Kühlung besonders effizient?
Adiabatische Kühlung ist besonders effizient in gemäßigten und trockenen Klimazonen. Je niedriger die relative Außenluftfeuchte, desto höher ist das Kühlpotenzial. In dauerhaft feuchten oder tropischen Regionen sinkt die Effizienz.
Wie wirkt sich adiabatische Kühlung auf die Energieeffizienz eines Rechenzentrums aus?
Der Strombedarf für die Kühlung kann deutlich reduziert werden. Dadurch verbessert sich die Power Usage Effectiveness (PUE) erheblich, insbesondere in Kombination mit freier Kühlung und optimierter Luftführung.
Erhöht adiabatische Kühlung den Wasserverbrauch signifikant?
Im Vergleich zu rein luftbasierten Systemen steigt der Wasserverbrauch moderat an. Dieser ist jedoch planbar und kann durch Wassermanagement, Aufbereitung sowie die Nutzung von Regen- oder Grauwasser reduziert werden.
Welche Rolle spielt die Wasserqualität bei adiabatischen Kühlsystemen?
Die Wasserqualität ist entscheidend für Betriebssicherheit und Lebensdauer. Durch geeignete Aufbereitung, Filtration und regelmäßige Kontrollen lassen sich Ablagerungen, Biofilmbildung und mikrobiologische Risiken vermeiden.
Sind adiabatische Kühlsysteme hygienisch unbedenklich?
Bei fachgerechter Planung, Installation und Wartung gelten adiabatische Systeme als sicher. Regelmäßige Hygieneinspektionen, Legionellenprävention und kontinuierliches Monitoring sind jedoch zwingend erforderlich.
Wie hoch sind die Investitionskosten im Vergleich zu Kompressionskälte?
Die Investitionskosten variieren je nach System. Direkte adiabatische Systeme sind oft günstiger, während indirekte Systeme höhere Anfangsinvestitionen erfordern, die sich jedoch durch niedrigere Betriebskosten amortisieren können.
Lohnt sich adiabatische Kühlung auch für Bestandsrechenzentren?
Ja, insbesondere als Ergänzung bestehender Kühlsysteme oder im Rahmen hybrider Konzepte. Obwohl die Nachrüstung anspruchsvoller ist als im Neubau, sind deutliche Effizienzgewinne möglich.
Welche Bedeutung hat adiabatische Kühlung im Kontext steigender KI-Lasten?
Durch den steigenden Energiebedarf von KI-Anwendungen gewinnt effiziente Kühlung an Bedeutung. Adiabatische Kühlung hilft, den zusätzlichen Strombedarf zu begrenzen und die ökologische Bilanz leistungsstarker Rechenzentren zu verbessern.





